Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Widerstand gegen neuen Teilchenbeschleuniger in Genf wächst

Gegen die Pläne für einen neuen Teilchenbeschleuniger am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf formiert sich Widerstand. Während die Machbarkeitsstudie für die Anlage noch läuft, warnen Umweltverbände vor den Auswirkungen des gigantischen Bauwerks.
© (Quelle: CERN)

«Der Bau des Tunnels wird den Aushub einer Menge an Schutt erfordern, die dem Volumen von drei Cheops-Pyramiden entspricht, für die es keine Verwendung gibt», sagte Jean-Bernard Billeter von der Nichtregierungsorganisation Noé21 an einer öffentlichen Debatte zum neuen Teilchenbeschleuniger. Dies werde auch den Verkehr von Tausenden von Lastwagen verursachen. Die Debatte am Samstagabend in Collonge-Bellerive GE wurde von CO-CERNés Schweiz organisiert, einem Kollektiv von Umweltverbänden.

Der «Future Circular Collider» genannte Teilchenbeschleuniger soll den bisher grössten Teilchenbeschleuniger, den Large Hadron Collider (LHC), ersetzen, der 2008 in Betrieb genommen wurde. Das 2014 lancierte Projekt sieht den Bau eines 91,5 Kilometer langen Rings in 200 Metern Tiefe unter der Schweiz und Frankreich vor. Damit würde die Grösse der bisherigen Anlage verdreifacht.

Forscherinnen und Forscher wollen damit die Bedingungen wiederherstellen, die unmittelbar nach dem Urknall herrschten, wie der Cern-Sprecher Arnaud Marsollier erklärte. Das Cern macht dem Sprecher zufolge damit Grundlagenforschung, die Innovationen im Dienste der Gesellschaft ermöglichen.

Viel Stromverbrauch

Um den Vor-Urknall-Zustand zu erreichen, werde der Teilchenbeschleuniger aber langfristig so viel Strom verbrauchen wie eine Stadt mit 700'000 Einwohnern, kritisierte Billeter. Auch mögliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Natur wurden angeprangert. So werde die geplante Ausfahrt in Genf zwei landwirtschaftliche Flächen sowie Waldgebiete in der Nähe eines Naturschutzgebiets von nationaler Bedeutung beanspruchen.

Zudem zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der öffentlichen Debatte besorgt über ein mögliches Erdbebenrisiko oder eine Beeinträchtigung des Grundwassers. Auf beiden Seiten der Grenze werden derzeit Sondierungsbohrungen durchgeführt, um den Untergrund zu kartieren.

Entscheidung im Jahr 2028

Die laufende Machbarkeitsstudie für den Teilchenbeschleuniger soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Darin sollen die Kosten und Risiken des Projekts aufgezeigt werden. Eine Entscheidung über den Bau der neuen Anlage ist frühstens für das Jahr 2028 zu erwarten. Fällen wird den Entscheid der Cern-Rat, in dem Vertreter der 23 Mitgliedsstaaten des Cern vertreten sind.

Die Einwohnerinnen und Einwohner in der Schweiz und in Frankreich werden hingegen kein Mitspracherecht haben. In der Schweiz ist der Bund auf Antrag der Genfer Regierung allein für den Genehmigungsprozess verantwortlich.

Die Rettung der Gegner könnte von den Mitgliedstaaten kommen. So hat das deutsche Forschungsministerium etwa bereits erklärt, es könne keine zusätzlichen Mittel für den FCC aufbringen.

 Ausserdem will auch China einen ähnlichen Beschleuniger bauen. «Wenn die Chinesen voranschreiten, glaubt niemand, dass es zwei solche Projekte geben wird», sagte Cern-Sprecher Marsollier dazu.

Forschung Politik Wissenschaft
Anzeige

Neueste Beiträge

Mittelklasse: Nothing zeigt das Phone (4b)
Beim neuen Phone (4b) setzt Nothing auf ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. Das Design der Rückseite ist weniger extravagant als bei anderen Modellen des Herstellers, hat aber zumindest wieder ein ungewöhnliches Element.
2 Minuten
9. Jul 2026
Anpassung der Energieetikette für Neuwagen ab 1. Januar 2027
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat die Grundlagendaten der Energieetikette für Personenwagen aktualisiert.
3 Minuten
Bitkom: Deutsche Digitalwirtschaft zeigt sich weiter stabil
Laut dem Bitkom soll der deutsche Markt für IT und Telekommunikation auch 2026 weiter wachsen. Einen Boom gibt es im Segment der Cloud-Software und bei KI-Plattformen, während der TK-Bereich deutlich weniger zulegt, doch zumindest Zeichen der Erholung aufweist.
3 Minuten
9. Jul 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Schweizer Funk-Uhren haben deutsche Zeit - Zeitumstellung
Am Sonntag beginnt die Sommerzeit. Um 02.00 Uhr werden alle Uhren auf 03.00 Uhr eine Stunde vorgestellt. Viele Uhren erledigen dies automatisch. Aber wie eigentlich? Und sollte die Zeitumstellung nicht schon längst abgeschafft werden?
3 Minuten
27. Mär 2024
Digitalisierung senkt Zahl fehlgeleiteter Gepäckstücke
Trotz steigender Passagierzahlen hat die Luftfahrtbranche im Jahr 2025 ihre grössten Fortschritte seit der Pandemie erzielt: Die Zahl falsch abgefertigter Gepäckstücke sank um 23 %.
4 Minuten
Davos wird zur ersten Robot City Europas
Mehr als 50 Roboter aus Europa, China und den USA arbeiten derzeit mitten in Davos. Der erste Davos Tech Summit zeigt damit erstmals Robotik-Anwendungen im öffentlichen Raum. Fachleute diskutieren zudem über Physical AI, Cybersecurity und Europas Rolle in der Robotik.
2 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige