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Ein neues Atomkraftwerk in der Schweiz wäre frühestens 2050 möglich

Ein neues Atomkraftwerk in der Schweiz wäre bei einer Aufhebung des Neubauverbots frühestens 2050 am Netz ? und dies nur mit staatlicher Unterstützung. Zu diesem Schluss kommen Expertinnen und Experten der Akademien der Wissenschaften Schweiz in einem neuen Bericht.
© (Quelle: Lisa-S / shutterstock.com)

Ein Neubau von Atomkraftwerken werde in vielen Teilen der Welt diskutiert, sagte Urs Neu, Leiter der Energiekommission, am Dienstag vor den Medien in Bern. Auch in der Schweiz gibt es mit der Blackout-Initiative und dem indirekten Gegenvorschlag Bestrebungen, das im Kernenergiegesetz verankerte Neubauverbot aufzuheben.

Der neue Bericht soll laut Neu eine Grundlage für diese Diskussion in Politik und Gesellschaft bieten. Ein Fazit wollten die Forschenden hingegen nicht ziehen. Das hänge schlussendlich auch von verschiedenen persönlichen Werteinschätzungen ab, sagte Neu.

Die Vorteile der Kernkraft - CO2-armer, wetterunabhängiger Strom - stehen demnach Risiken, politischen Hürden und milliardenschweren Investitionen gegenüber.

Bauzeit mindestens acht Jahre

Die reine Bauzeit für ein neues Kraftwerk beträgt laut dem Bericht mindestens acht Jahre. Damit wäre der Bau deutlich schneller als jener der zuletzt in Europa fertig gebauten Atomkraftwerke in Olkiluoto (Finnland) und im französischen Flamanville - diese brauchten mehr als 16 Jahre Bauzeit.

Dem zuvor kommt ein komplexer politischer Prozess mit mindestens sieben Entscheidungen. Das sind eine Annahme der BlackoutInitiative oder des indirekten Gegenvorschlags; wahrscheinlich ein Gesetz für Subventionierung; den Projektentscheid von Investoren; sowie Rahmen-, Bau- und Betriebsbewilligungen. Insgesamt rechnen die Forschenden damit, dass dieser Prozess mindestens bis 2050 dauert, sofern alle Entscheide auf diesem Weg für einen Neubau positiv ausfallen.

Ausserdem könnte dieses Projekt in diversen Phasen scheitern - etwa, wenn die Blackout-Initiative und der Gegenvorschlag nicht angenommen werden oder wenn es Einsprachen gegen die Baubewilligung gibt. «Jede Entscheidung wird mit Unsicherheit behaftet sein», sagte Jochen Markard von der ETH Zürich und der ZHAW. Jede dieser politischen, wirtschaftlichen und technischen Entscheidungen kann ein Neubauprojekt verzögern oder stoppen.

Staatliche Investitionen nötig

«Wir können nicht davon ausgehen, dass in der Schweiz ohne staatliche Subventionen ein neues Atomkraftwerk gebaut wird», sagte die ZHAW-Forscherin Regina Betz. Weltweit würden heute alle neu gebauten Atomkraftwerke auf unterschiedliche Weise vom Staat unterstützt.

Die Betriebskosten eines AKW seien in der Regel zwar gering. Der Bau sei aber mit hohen Investitionskosten verbunden. Gleichzeitig seien die Erlöse in einem liberalisierten und zukünftig von erneuerbaren Energien dominierten Strommarkt unklar, insbesondere im Sommer.

Dabei gebe es aber grosse Unsicherheiten. Unklar sei etwa, ob es Verzögerungen im Bau gebe oder wie lange die AKW betrieben werden könnten. Zudem sei das EU-Stromabkommen von zentraler Bedeutung für die Planung des Stromsystems allgemein und der Kernenergie im Speziellen. Die Verhandlungen dazu wurden im Dezember 2024 zwischen der Schweiz und der EU abgeschlossen. In den kommenden Jahren müssen die Abkommen von der Schweiz ratifiziert werden, einschliesslich des parlamentarischen Entscheidungsprozesses und voraussichtlich einer oder mehrerer Volksabstimmungen.

CO2-arm und wetterunabhängig

Die Vorteile der Kernkraft liegen den Forschenden zufolge auf der Hand: Kernkraft ist CO2-arm, benötigt wenig Raum und Material pro Kilowattstunde und liefert, auch im Winter, zeit- und witterungsunabhängig Strom. Schwere Unfälle können zwar schwere Schäden anrichten, sind laut den Experten aber sehr unwahrscheinlich.

Aktuell werden weltweit grosse Atomkraftwerke der Generation Drei gebaut. Für einen Neubau mit einem Investitionsentscheid bis Mitte der 2030er Jahre rechnen die Forschenden damit, dass auch in der Schweiz ein Kraftwerk dieses Typs gebaut würde.

Diese seien um Faktor 10 bis 100 sicherer als bisherige Kraftwerke, sagte Andreas Pautz vom Paul Scherrer Institut und der EPFL an der Konferenz.

Einzelne kleine modulare Reaktoren, sogenannte SMR (Small Modular Reactors) der Generation Drei werden vermutlich ab der ersten Hälfte der 2030er Jahre zur Verfügung stehen. Aber selbst wenn dies in den nächsten Jahren passieren würde, würden wir vermutlich bis 2035 keine belastbaren Aussagen über die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen haben, erklärte Pautz. Bei Anlagen der Generation IV, die auf neuen Reaktordesigns basieren, gibt es noch grosse Unsicherheiten hinsichtlich Technologie und Wirtschaftlichkeit.

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