Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Neue Chips von der ETH gegen Deepfakes

KI-generierte Bilder und Videos gefährden demokratische Prozesse und untergraben das Vertrauen in der Gesellschaft. Forschende der ETH Zürich haben nun eine Chip-Technologie entwickelt, die es ermöglicht, die Authentizität von Sensordaten wie Bildern und Videos überprüfbar zu machen. 

Der Sensorchip ist ein Prototyp, der die technische Machbarkeit demonstriert.

© Caroline Arndt Foppa / ETH Zürich

Künstliche Intelligenz (KI) macht es heute erschreckend einfach, Fotos, Videos und Tonaufnahmen zu manipulieren. Ob gefälschte Statements von Politikern oder irreführende Bilder aus Krisengebieten – soziale Medien und Online-Plattformen sind bereits voll von sogenannten Deepfakes. Die Folgen für Gesellschaft und Demokratie sind gravierend: Immer mehr Menschen lassen sich von solchen Fälschungen täuschen oder beginnen, selbst glaubwürdigen Quellen zu misstrauen.

Forschende der ETH Zürich haben deshalb eine neue Sensortechnologie entwickelt, die genau hier ansetzt. Die Idee: Daten, Bilder oder Audiosignale werden direkt bei der Entstehung in einem Sensorchip kryptografisch signiert. Dank dieser Signatur lässt sich nachweisen, dass die Daten tatsächlich von einer Kamera oder einem Aufnahmegerät stammen, wann sie aufgenommen wurden und dass keine Manipulationen vorgenommen wurden. «Wenn Daten bereits bei ihrer Erstellung signiert werden, hinterlässt jede spätere Manipulation Spuren», erklärt Fernando Cardes. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Biosystems Engineering von Andreas Hierlemann im Department für Biosysteme (BSSE) in Basel und hat die Technologie mitentwickelt. «Um Daten zu manipulieren, müsste der Chip physisch angegriffen werden – ein technischer Aufwand, der so hoch wäre, dass die massenhafte Herstellung manipulierter Inhalte für Social-Media-Plattformen praktisch verunmöglicht wird.» 

So funktioniert die Technologie: Ein reales Ereignis (1) wird von einer Kamera aufgezeichnet, deren Sensorchip im Moment der Aufnahme sowohl die Bilddaten als auch eine kryptografische Signatur erzeugt (2). Nach der Speicherung in einem öffentlichen Register (3) kann diese Signatur später verwendet werden, um zu überprüfen, dass die Aufnahme authentisch ist und nicht verändert wurde (4).

© Grafik erstellt mit KI: Felix Franke / ETH Zürich

Einfache Verifikation dank öffentlichem Register

Die im Sensor erzeugten Signaturen könnten von den Kameraherstellern in einem für alle zugänglichen, unveränderbaren Register (z.B. einer Blockchain) gespeichert werden. So liesse sich jederzeit unabhängig prüfen, ob die vorliegenden Daten echt sind: Jede Person kann die Signatur des Chips im Register mit den Originaldaten abgleichen und so deren Herkunft bestätigen. «Damit spielt es kaum noch eine Rolle, ob eine an der Verarbeitung und Übertragung der Daten beteiligte Person oder Technologie vertrauenswürdig ist», erklärt Felix Franke, der den Chip an der ETH Zürich mitentwickelt hat und inzwischen Professor an der Universität Basel ist. «Das Vertrauen in digitale Inhalte schwindet. Wir wollten eine Technologie entwickeln, mit der die Menschen überprüfen können, ob etwas echt ist», fügt er an.

Die Technologie lässt sich grundsätzlich in jede Art von Sensor oder Kamera integrieren. Social-Media-Plattformen könnten künftig bereits beim Hochladen automatisch prüfen, ob Inhalte echt sind. Und wo dies nicht passiert, könnten Journalist:innen, Forschende oder Behörden die Echtheit mit einfachen Tools selbst verifizieren.

Gefahr von Deepfakes frühzeitig erkannt

Die Idee für die Sensorchips entstand als Nebenprojekt am Bio Engineering Laboratory der ETH Zürich. Dort beschäftigte man sich schon lange bevor KI-Systeme wie ChatGPT die öffentliche Diskussion dominierten mit der Entwicklung hochsensibler Sensoren zum Messen elektrischer Signale lebender Zellen. Die interdisziplinäre Gruppe verfügte auch über das nötige Know-how, um zusätzliche kryptografische Funktionen direkt in Sensorchips zu integrieren. «Die Gefahr durch Deepfakes war absehbar», erinnert sich Franke. Bereits 2017 sei daher der Plan entstanden, einen Sensor zu entwickeln, dessen Daten sich nicht unbemerkt manipulieren lassen.

Der im publizierten Paper vorgestellte Chip ist ein funktionierender Prototyp und demonstriert die technische Machbarkeit. Für den kommerziellen Einsatz sind noch weitere Schritte nötig. Die Forschenden sind dennoch überzeugt, dass er sich mit heutigen technologischen Voraussetzungen und Verfahren zu einem funktionierenden und marktfähigen Produkt weiterentwickeln lässt. Entsprechend haben sie einen Patentantrag eingereicht. «Wir untersuchen derzeit, wie man den Aufwand für Kamera- und Sensorhersteller senken kann, wenn sie die neue Technologie in ihre Chips integrieren wollen», sagt Cardes.

Die Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Rahmen der SwissChips-Initiative finanziell unterstützt.

Markus Gross, Hochschulkommunikation
 

Forschung Hardware
Anzeige

Neueste Beiträge

Das erste Trump-Smartphone wird endlich ausgeliefert
Mit einer Verzögerung von mehreren Monaten startet jetzt doch in den USA die Auslieferung des ersten Smartphones der Trump Organization. Der US-Sender NBC konnte bereits ein Exemplar ausprobieren.
2 Minuten
20. Mai 2026
Dennis Brügger neuer Managing Director der Bechtle Schweiz AG
Dennis Brügger übernimmt zum 15. Juni 2026 die Position des Managing Directors der Bechtle Schweiz AG.
2 Minuten
21. Mai 2026
Ronny Peterhans wird neuer CIO der UZH
Ronny Peterhans übernimmt per 1. September 2026 als Chief Information Officer (CIO) die Leitung der Zentralen Informatik der Universität Zürich. Er verfügt über mehr als 25 Jahre IT-Erfahrung.
2 Minuten
21. Mai 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Schweizer Funk-Uhren haben deutsche Zeit - Zeitumstellung
Am Sonntag beginnt die Sommerzeit. Um 02.00 Uhr werden alle Uhren auf 03.00 Uhr eine Stunde vorgestellt. Viele Uhren erledigen dies automatisch. Aber wie eigentlich? Und sollte die Zeitumstellung nicht schon längst abgeschafft werden?
3 Minuten
27. Mär 2024
Fünf Experten geben Auskunft - Experts
Wie verändern KI-gestützte Angriffe die Bedrohungslage – und welche Massnahmen sollten Unternehmen jetzt ergreifen?
2 Minuten
Huawei stellt die Pura-90-Serie mit zwei Smartphones vor
Mit dem Pura 90 Pro und dem Pura 90 Pro Max hat Huawei in seiner Heimat seine neuen Smartphone-Flaggschiffe präsentiert. Wie bei den Vorgängern liegt ein Schwerpunkt auf den leistungsstarken Kameras.
3 Minuten
22. Apr 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige