Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Genauere Wettervorhersagen dank KI

Genauere, schnellere und verlässlichere Wetterprognosen: Das soll ein neues KI-Modell der Google-Tochter DeepMind einer Studie zufolge möglich machen.
© (Quelle: Deepmind Google)

Ein Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagt, bei bestimmten Aspekten kämen KI-Vorhersagesystemen noch nicht an klassische, physikalisch-basierte Modellen heran. Deswegen seien KI-Modelle als Ergänzung zu sehen, nicht als Ersatz.

Roland Potthast, der beim DWD die Numerische Wettervorsage leitet, bezeichnet die im Fachblatt «Nature» erschienene Studie als «wichtigen Schritt»: Solche Modelle hätten viel Potenzial, das nun erschlossen werden müsse. Die Ansätze von Google und weiteren Tech-Unternehmen könnten Wetterdienste «ergänzen, inspirieren und weiterbringen». So könnten der Allgemeinheit immer bessere Vorhersagen und Warnungen bereitgestellt werden.

Entwickelt wurde die maschinell lernende Wettervorhersage-Methode namens «GenCast« von einem Team um Ilan Price von dem in London ansässigen Unternehmen DeepMind. Die Studie wurde ausschliesslich von DeepMind-Mitarbeitern durchgeführt, für das Fachblatt dann aber durch unabhängige Gutachter bewertet. Das Team kommt zu dem Ergebnis, dass «GenCast» die beste herkömmliche mittelfristige Wettervorhersage übertrifft. Das Modell sei zudem in der Lage, extreme Wetterlagen, die Zugbahn tropischer Wirbelstürme und die Entwicklung von Windstärken besser vorherzusagen.

Die KI wurde auf der Grundlage der Analysedaten von Wetterereignissen aus 40 Jahren (1979 bis 2018) trainiert. Im Anschluss testete die Forschungsgruppe, wie gut «GenCast» das Wetter für 2019 prognostizieren konnte.

Globale 15-Tage-Vorhersagen

Gemeinhin gilt, dass Wettervorhersagen umso ungenauer werden, je weiter sie in die Zukunft blicken. «GenCast» sei in der Lage, innerhalb von acht Minuten globale 15-Tage-Vorhersagen zu erstellen, hiess es. Für solche mittelfristigen Prognosen galt bisher das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) weltweit als am genauesten. Bei der Vorhersage von 1320 Windgeschwindigkeiten, Temperaturen und anderen atmosphärischen Merkmalen habe «GenCast» nun in über 97 Prozent besser abgeschnitten, so die Entwickler.

Dabei berechne «GenCast» seine Vorhersagen nicht einmal, sondern insgesamt 50-mal pro Prognose. Entsprechend steige die Wahrscheinlichkeit der Vorhersage-Sicherheit. Das System verspreche eine höhere Genauigkeit, Effizienz und Zugänglichkeit in einem breiten Spektrum von Situationen, so das Team.

DWD testet eigenes KI-Modell

Der DWD teste derzeit ein eigenes KI-Modell, weitere seien in Arbeit, die als Ergänzung zu bisherigen Methoden genutzt werden sollen, sagte Potthast. «Physikalisch basierte Modelle und KI-Modelle werden in der Vorhersagekette des DWD kombiniert, um jeweils auf jeder Zeitskala und für die angestrebten Vorhersage-Variablen - etwa Niederschlag, Temperatur, Winde, Druck, Feuchte, Böen, Eis-Übersättigung und vieles mehr - die bestmöglichen Vorhersagen bereitstellen zu können», so Potthast.

Der DWD-Experte erklärte, KI als neues Werkzeug mache den Menschen nicht überflüssig. Aktuell sei sogar eher ein Mehrbedarf an Arbeitsleistung erforderlich, um die bisherige Qualität der physikalisch basierten Systeme weiterhin verlässlich zur Verfügung stellen zu können. «Die KI-Modelle können diese Qualität, Breite, Vielfalt und Verlässlichkeit noch nicht leisten, sondern sind nur in ausgewählten Variablen oder Scores schneller oder besser», so Potthast. Es gebe aber eine sehr steile Lernkurve in dem Bereich.

KI beachtet Naturgesetze nicht

Wetter entstehe durch viele miteinander verbundene Prozesse, erklärte der DWD-Experte. «Physikalische Modelle, wie sie in der Wettervorhersage genutzt werden, halten sich an die Naturgesetze.» Das mache ihre Vorhersagen stimmig und nachvollziehbar. «Maschinelle Lernmodelle funktionieren anders. Sie konzentrieren sich darauf, einzelne Werte möglichst genau vorherzusagen, ohne die Naturgesetze direkt zu beachten.»

Solche Modelle verteilten die das Wetter antreibende Energie - grosse Bewegungen wie Winde und kleine Details wie Turbulenzen - oft nicht so, wie das in der Natur passiere. In der Folge könne es zu Vorhersagen kommen, die auf den ersten Blick gut aussähen, aber in Wirklichkeit nicht ganz stimmten, besonders wenn das Wetter komplizierter werde. «Physikalische Modelle machen das besser, weil sie von Anfang an darauf ausgelegt sind, diese Zusammenhänge einzuhalten.»

Künstliche Intelligenz (KI) Forschung
Anzeige

Neueste Beiträge

Philippe Trütsch wird neuer CEO von localsearch
Der Verwaltungsrat von localsearch (Swisscom Directories AG) hat Philippe Trütsch zum neuen Chief Executive Officer (CEO) ernannt. Er übernimmt die Leitung des Unternehmens per 1. Oktober 2026.
2 Minuten
26. Aug 2026
Gemini ganz clever - so geht es - KI-Tipps
Das Imperium schlägt zurück: Die Antwort von Google auf den Erfolg von ChatGPT & Co. nennt sich Gemini. Wir zeigen Ihnen, was das KI-Tool kann, wo seine Grenzen liegen und wie Sie es effektiv einsetzen.
5 Minuten
26. Aug 2026
ICT-Löhne stagnieren - Spezialisten bleiben gefragt - ICT-Salärstudie 2026
Der Schweizer ICT-Arbeitsmarkt tritt bei den Löhnen weitgehend auf der Stelle. Der Gesamtmedian steigt 2026 nur noch um 0,2 Prozent. Deutlich besser entwickeln sich die Saläre hoch spezialisierter Fachkräfte. Besonders gefragt sind Kompetenzen rund um KI, Cloud, Cybersecurity und Daten.
4 Minuten

Das könnte Sie auch interessieren

Alte Smartphones statt neue Rechenzentren - Alessandro De Carli, Acurast Association
Braucht es immer mehr leistungsfähige Rechenzentren? Nicht unbedingt, sagt Alessandro De Carli, Präsident der Acurast Association und CEO der Papers AG. Statt neue Server zu bauen, nutzt seine Plattform Acurast die Rechenleistung ausrangierter Smartphones. Im Interview erklärt er, weshalb darin enormes Potenzial für nachhaltiges Cloud Computing steckt.
6 Minuten
«KI wird ein Treiber für Wachstum» - Interview Corinna Schumacher, ServiceNow
KI-Agenten übernehmen immer mehr Routineaufgaben. ServiceNow sieht darin keine Bedrohung für Mitarbeitende, sondern eine neue Arbeitsteilung, erklärt Corinna Schumacher im Interview.
7 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige