Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 5 Min.

«Zwischen KI-Vision und Prozessrealität»

Mit Thomas Hottinger, Managing Director des SAP-Partners Innflow, habe ich mich über die neue Strategie des «Autonomous Enterprise» von SAP unterhalten. Im Gespräch erklärte er, weshalb Prozessreife und Datenqualität die entscheidenden Voraussetzungen für den erfolgreichen KI-Einsatz sind, welche Themen Schweizer Unternehmen aktuell beschäftigen und warum Cloud-Strategien nicht zwangsläufig im Widerspruch zu Datensouveränität stehen.

Thomas Hottinger, Managing Director von Innflow

© zVg

Computerworld: Auf der diesjährigen Sapphire hat SAP die Vision des «Autonomous Enterprise» vorgestellt. Welche Auswirkungen hat das für Innflow als Schweizer SAP-Partner?

Thomas Hottinger: Für uns als interdisziplinären Berater ist die Vision des «Autonomous Enterprise» die konsequente Fortführung unserer bisherigen Strategie. Wir verstehen uns nicht als reine Systemintegratoren, sondern als Partner, die Organisationsberatung, Prozessmanagement und Technologie nahtlos verbinden.  Die Ära der Autonomie schärft unseren ganzheitlichen Ansatz in drei Kernbereichen: Erstens im Bereich Business Excellence; wir bereiten Unternehmen auf die Autonomie vor, indem wir mittels Business Process Management und Process Mining die notwendige Daten- und Prozessarchitektur schaffen. Ohne saubere Prozesse gibt es keine nachhaltige KI. Zweitens bei der Solution Excellence. Hier orchestrieren wir die neuen KI-Agenten der SAP Autonomous Suite innerhalb der Kundenlandschaft und stellen sicher, dass diese auf einer stabilen, hochperformanten S/4HANA-Basis agieren. Und drittens im Bereich Service Excellence. Dabei begleiten wir den Betrieb dieser intelligenten Systeme und garantieren, dass die Autonomie stets unter der Kontrolle und im Sinne der Unternehmensziele des Kunden bleibt. Zusammengefasst: Wir begleiten unsere Kunden auf ihrem individuellen Weg, denn wir wissen, dass die Reise zur Autonomie je nach Reifegrad unterschiedlich verläuft.

Die Reise zur Autonomie verläuft je nach Reifegrad unterschiedlich.

Thomas Hottinger

CW: Wie schätzen Sie die Reaktion Ihrer Kunden darauf ein? Wie bereit sind die Unternehmen konkret für die KI-Zukunft?

Hottinger: Wir begleiten über 250 Kunden und unterstützen mehr als 36'000 Anwender weltweit. In diesem Umfeld erleben wir eine sehr grosse Dynamik. Die Kunden erkennen das enorme Potenzial der KI, doch wir stellen oft eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Autonomie und der tatsächlichen Prozessreife fest. Ein autonomer Agent kann nur so präzise agieren, wie die zugrunde liegenden Prozesse definiert sind. Viele Unternehmen müssen erst den Schritt von der manuellen Steuerung hin zu einer datengetriebenen Struktur vollziehen. Unsere Aufgabe ist es, genau diese «Readiness» zu schaffen: Wir digitalisieren Prozesse und strukturieren Daten so, dass unsere Kunden später die volle Schlagkraft der KI-Agenten ausschöpfen können.
 

CW: Mit welchen Themen beschäftigen sich Ihre Kunden aktuell primär? Wo liegen die Schwerpunkte?

Hottinger: Die Prioritäten unserer Kunden sind geprägt von strategischen Ambitionen und der Herausforderung, in einem volatilen geopolitischen Umfeld agil zu bleiben. Wir sehen drei zentrale Handlungsfelder. Erstens, die S/4HANA Transformation. Der Wechsel auf S/4HANA ist das technologische Fundament für jede künftige Innovation. In der Schweiz begleiten wir hierbei intensiv die Transformation der bestehenden ERP-Landschaften. Zweitens, die Cloud & Hybrid-Strategien: Die Entscheidung über die optimale Datenhaltung und die nahtlose Integration von Cloud-Lösungen in hybride Landschaften ist ein hochkomplexes Kernthema. Und drittens das ganze Data & AI Enablement. KI ist omnipräsent. Mit unserem «AI by Design»-Ansatz unterstützen wir Unternehmen dabei, KI nicht als Gadget, sondern als integralen Bestandteil ihrer Wertschöpfung zu implementieren. Dieser Fokus hat es uns ermöglicht, erfolgreich in neue Branchen vorzudringen und unsere Expertise dort gewinnbringend einzusetzen.

Die Kunden erkennen das enorme Potenzial der KI, doch wir stellen oft eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Autonomie und der tatsächlichen Prozessreife fest.

Thomas Hottinger

CW: Innflow bietet neben der Betreuung von On-Premise-Kunden auch eigene Hosting-Services für die Cloud an. Beisst sich das nicht mit der SAP-Cloud-only-Strategie?

Hottinger: Im Gegenteil. Wir sehen darin eine komplementäre Stärke. Wir sind keine Ideologen einer einzelnen Technologie, sondern Partner, die die beste Lösung für die spezifischen Bedürfnisse des Kunden suchen. Wir unterstützen die SAP Cloud-Strategie vollumfänglich. Gleichzeitig begegnen wir den spezifischen Anforderungen unserer Schweizer Kunden - insbesondere in hochregulierten Branchen wie Pharma oder Energie - an Datensouveränität, Compliance und Sicherheit. Unsere Innflow Private Cloud bietet eine hochverfügbare, sichere Hosting-Plattform mit Standorten in der Schweiz. Damit ermöglichen wir es unseren Kunden, in einer hybriden Welt zu navigieren: Sie nutzen die Vorteile der SAP-Cloud, behalten aber die volle Kontrolle über ihre kritischen Daten. Wir bieten Flexibilität statt Dogmatismus.

CW: Auf Ihrer Kundenliste finden sich illustre Schweizer Unternehmen. Wie machen Sie diese Unternehmen glücklich?

Hottinger: Unsere Kunden sind keine Liebhaber von Komplexität, sondern von Resultaten. Wir machen sie glücklich, indem wir die Brücke zwischen geschäftlicher Strategie und technologischer Exzellenz schlagen. Wir liefern keine «Blackbox-Lösungen», sondern messbaren Mehrwert durch Präzision in der Umsetzung analog dem dem Pareto-Prinzip. Das heisst, wir nutzen den SAP-Standard für 80 % der Prozesse und investieren unsere tiefgreifende Expertise gezielt in die entscheidenden 20 %, die den individuellen Wettbewerbsvorteil unserer Kunden ausmachen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die ganzheitliche Begleitung. Wir begleiten den gesamten Lebenszyklus von der ersten Prozessanalyse über die Implementierung bis hin zum langfristigen, sicheren Betrieb. Und last but not least, sind wir als verlässlicher Schweizer Partner nahe am Kunden, verstehen seine Branche und sorgen durch unseren Managed Service dafür, dass die IT ein verlässlicher Enabler für das Business ist und kein Hindernis.

ERP
Anzeige

Neueste Beiträge

Anpassung der Energieetikette für Neuwagen ab 1. Januar 2027
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat die Grundlagendaten der Energieetikette für Personenwagen aktualisiert.
3 Minuten
ICT-Fachmesse CONNECT von Brack.Alltron erscheint in neuem Gewand
Unter dem Motto «Unboxing Tomorrow» möchte die Handelsgruppe Brack.Alltron die ICT-Themen von morgen präsentieren. 
3 Minuten
10. Jul 2026
Mittelklasse: Nothing zeigt das Phone (4b)
Beim neuen Phone (4b) setzt Nothing auf ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. Das Design der Rückseite ist weniger extravagant als bei anderen Modellen des Herstellers, hat aber zumindest wieder ein ungewöhnliches Element.
2 Minuten
9. Jul 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Wie hältst du es mit den Daten? - KI in der Praxis
Das ist die Gretchenfrage der KI. Qualität, Integration und Souveränität entscheiden darüber, ob Use Cases funktionieren – oder scheitern. 
6 Minuten
Die Schweiz im KI-Dilemma - Künstliche Intelligenz im Fokus
Schweizer Unternehmen erkennen das Potenzial von KI. Doch zwischen ersten Erfolgen und echter Skalierung klafft immer noch eine Lücke.
8 Minuten
KI als Motor einer nachhaltigeren Landwirtschaft - Interview Feroz Sheikh, Syngenta Group
SAP und Syngenta wollen mit künstlicher Intelligenz die Landwirtschaft produktiver und nachhaltiger machen. Im Gespräch erklärt Feroz Sheikh, Group Chief Information and Digital Officer der Syngenta Group, weshalb KI weit mehr ist als ein neuer Technologietrend – und warum der eigentliche Wandel bei den Menschen beginnt.
7 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige