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«Näher bei den Kunden, näher beim Thema Cloud»

Seit 2022 leitet Billy Kneubühl die Geschicke von Oracle Schweiz und erlebt hautnah, wie sich Oracle vom Datenbankspezialisten immer stärker in Richtung Cloud und Applications entwickelt.
Billy Kneubühl: «Commodity-Themen der IT werden zunehmend ausgelagert oder extern bezogen.»
© (Quelle: Oracle)

Oracle gehört zu den weltweit führenden Technologie-Unternehmen und wird häufig mit Datenbanksystemen assoziiert. Das ist richtig, doch inzwischen ist das Thema Cloud mindestens ebenso wichtig. Billy Kneubühl, Vice President Technology Cloud Sales ALPS & Country Leader Switzerland bei Oracle Schweiz, erklärt die Hintergründe.

Computerworld: Oracle wurde 1977 gegründet und entwickelte von Anfang an Datenbanksysteme. Daraus ist mit der Zeit fast ein Synonym geworden. Nun fällt der Name Oracle zunehmend in Zusammenhang mit der Cloud. Wie passt das zusammen?

Billy Kneubühl: Wie bei vielen anderen Softwaretechnologie-Unternehmen steht auch bei Oracle das Thema Cloud ganz oben auf der Agenda. Wir sind nicht mehr nur die Datenbankspezialisten, die die Cloud-Branche erobern, sondern haben renommierte Neukunden für unsere Infrastruktur- und KI-Services gewonnen wie Uber, Zoom, xAI oder Microsoft. Möglich machen es das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die andersartige Architekturauswahl.

Computerworld: Welche Themen beschäftigen die Oracle-Kunden?

Kneubühl: Unsere Kunden erwarten beispielsweise, dass die Clouds interoperabel sind und die Standards eingehalten werden. Deshalb sprechen wir auch oft von der Hybrid Multicloud. Dabei steht Hybrid für die verschiedenen Ausprägungen der Cloud und Multicloud für das Zusammenspiel über mehrere Anbieter hinweg. Trotz oder gerade wegen dieser Cloud- und Provider-Vielfalt will man als Kunde jederzeit die Datenhoheit behalten. Darum geht es bei der Sovereign Cloud. Kunden wollen nicht nur wissen, wer die Cloud betreibt und was mit den Daten passiert, sondern auch jederzeit entscheiden, in welcher Cloud und bei welchem Provider die Daten gespeichert werden. Die Eigenständigkeit ist gerade für unsere öffentlichen Kunden essenziell. Aber auch viele private Unternehmen verfolgen inzwischen eine dedizierte Cloud-Governance hinsichtlich Souveränität.

Computerworld: Und wie erfüllen Sie diese Anforderungen Ihrer Kunden?

Kneubühl: Wir waren im öffentlichen Sektor und in stark regulierten Branchen schon immer gut positioniert. Die Reaktionen auf die Einführung unserer Oracle Cloud EU Sovereign im Jahr 2023 waren sehr positiv. Damit positionieren wir uns auf dem Markt für sensible Daten, welche die Einhaltung von Souveränitäts- und Vertraulichkeitsmassnahmen der Europäischen Union erfüllen müssen. Hier besteht eindeutig eine grosse Nachfrage.

Computerworld: Oracle wächst aus der Datenbanktechnologie über die Cloud in Richtung Applikationen, während andere Softwarehersteller aus der Anwendungswelt anfangen, eigene Rechenzentren und Clouds anzubieten. Kommt man sich da nicht ins Gehege?

Kneubühl: Nicht unbedingt. Ein gutes Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen Oracle und Microsoft. Mit Oracle Database@Azure können auch Microsoft-Kunden unsere Cloud-Infrastruktur nutzen, ohne ihre native Azure-Umgebung zu verlassen. Ich denke, das ist eine Partnerschaft, welche ganz im Sinne der Kunden handelt. Auf der anderen Seite habe Sie recht, es gibt auch Konkurrenz mit anderen Hyperscalern, denn der Markt ist umkämpft. Die IT ist geprägt von einer Frenemy-Situation. Manchmal duelliert man sich mit anderen Anbietern, manchmal ist eine Partnerschaft sinnvoller. Diese streben wir vor allem dann an, wenn damit ein Kundennutzen verbunden ist oder wenn dies grosse Kunden wünschen. Konkurrenz ist gut, aber der Kunde kommt zuerst.

«Die Grösse und Internationalität vieler Unternehmen machen die Schweiz für Oracle sehr attraktiv»

Billy Kneubühl, Schweizer Oracle-Chef

Computerworld: Wäre es vorstellbar, dass Oracle irgendwann die Kunden erlöst und nicht nur die Technologie liefert, sondern gleich den IT-Betrieb als Dienstleistung übernimmt?

Kneubühl (lacht): Den kompletten IT-Betrieb eher nicht. Mit den Cloud Dienstleistungen werden wir jedoch zu einem integralen Teil des operativen Betriebes unserer Kunden. Wir erleben schon, dass sich Banken oder Versicherungen vermehrt aufs Kerngeschäft konzentrieren und nicht auch noch eine IT-Firma sein wollen. Aus meiner Sicht geht der Trend in diese Richtung, dass «Commodity»-Themen der IT ausgelagert oder extern bezogen werden. Viele CIOs gehen nach dem Prinzip vor: SaaS before PaaS before IaaS. Das heisst, wenn es eine Lösung as-a-service gibt, kaufe ich diese ein; wenn nicht, suche ich einen Plattform-Service, und wenn ich auch da nicht fündig werde, versuche ich wenigstens die Infrastruktur als Service zu beziehen. Eigene Investitionen in den Aufbau einer Lösungsplattform oder Infrastruktur zu tätigen, lohnt sich je länger, desto weniger.

Computerworld: Weshalb entscheiden sich Kunden für die Technologie von Oracle?

Kneubühl: Oracle stellt ein modernes, leistungsfähiges, flexibles und zukunftsorientiertes Gesamtpaket zur Verfügung, welches weltweit in ganz unterschiedlichen Bereichen und Industrien genutzt werden kann. Das Angebot umfasst die Basistechnologie von Oracle wie Datenbanken, Integrationssoftware, Security Frameworks und mehr. Hinzukommen die Applikationen wie ERP, HCM, Supply-Chain-Management, Kassenlösungen. Und schliesslich die Branchenapplikationen für Hotellerie, Retail, Finance, Health oder Pharma, welche wiederum auf den Basistechnologien von Oracle beruhen.

Computerworld: Welche Bedeutung hat die Schweiz für Oracle?

Kneubühl: Wir sind sowohl geografisch als auch wirtschaftlich in der Schweiz hervorragend vertreten und verankert. Viele wissen gar nicht, dass Oracle nebst den Standorten in Zürich, Zürich-Flughafen und Genf über ein eigenes Innovations Lab hierzulande verfügt. Wir sind sehr stolz auf die Arbeit, die in unseren Smart Innovation Center Labs im Prime Tower in Zürich entsteht. Die Schweizer Entwicklungsteams stehen hinter einigen der beliebtesten neuen Produkte von Oracle, die das Cloud-Wachstum des Unternehmens vorantreiben. Die Grösse und Internationalität vieler Unternehmen machen die Schweiz für Oracle sehr attraktiv. Wir dürfen viele Banken, Versicherungen und Pharmaunternehmen zu unseren Kunden zählen.

Zur Person

Billy Kneubühl bekleidet seit 2022 den Posten des Vice President Technology Cloud Sales Alps & Country Leader Switzerland bei Oracle. Zuvor war er mehr als 20 Jahre bei IBM Schweiz beschäftigt, zuletzt als Head of Software Technology Sales und Mitglied der Geschäftsleitung. Kneubühl besitzt ein Ingenieursdiplom in Information- and Communication Technologie von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.
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