Lesedauer 3 Min.

900 Milliarden autonome Agenten

KI-Agenten erledigen heute erste Aufgaben autonom – doch die digitale Infrastruktur hält nicht Schritt. Ein neues «agentisches Internet» soll die intelligenten Systeme von 2035 tragen.

Der Autor: Manuel Küffer ist Senior Manager Media & Public Affairs, bei Huawei Technologies Switzerland AG, www.huawei.com/ch

© Huawei

Die KI-Nutzung ist in den vergangenen Jahren explosionsartig gewachsen – und sie hat eine neue Stufe erreicht. Grosse Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude und Gemini beantworten längst nicht mehr nur Fragen: 2026 gilt als das Jahr, in dem KI-Agenten erstmals komplexe Aufgaben eigenständig ausführen. Doch wie Huaweis Bericht «Intelligent World 2035» (siehe QR-Code) aufzeigt, ist diese erste Agenten-Welle nur der Anfang.

Von Werkzeugen zu agentischer KI

Das kommende Jahrzehnt wird diese Entwicklung radikal beschleunigen. Der Bericht beschreibt, wohin die Entwicklung agentischer KI führt: zu autonomen Systemen, die ihre Umgebung wahrnehmen, über lange Zeithorizonte hinweg denken, mit anderen Agenten zusammenarbeiten und unabhängig in digitalen, wie physischen Welten handeln. Diese Agenten funktionieren weniger als Werkzeuge und mehr als entscheidungstreffende Partner: Sie verfolgen Ziele und reagieren auf Veränderungen in Echtzeit.

Das agentische Internet entsteht

Für diese Evolution führt der Bericht ein neues technologisches Paradigma ein: das agentische Internet – eine Netzwerkarchitektur für Milliarden autonomer Einheiten, die gleichzeitig operieren, kontinuierlich Informationen austauschen und in Echtzeit entscheiden.

Das Ausmass ist beeindruckend: Bis 2035 prognostiziert der Bericht 900 Milliarden intelligente Agenten und 1,6 Billionen Verbindungen – eingebettet in Städten, Fabriken, Logistiksystemen, Fahrzeugen, Haushalten und Energienetzen. Jedoch: Keine Version des heutigen Internets kann diese Komplexität tragen. Genau hier liegt die Lücke zwischen dem Agenten-Boom von heute und der Agenten-Wirtschaft von morgen.

Fünf Infrastruktur-Sprünge

Der Bericht identifiziert fünf kritische Veränderungen, die zwangsläufig stattfinden müssen:

  • Integrierte Infrastruktur – Netz, Rechenleistung, Speicher, Cloud und Energie verschmelzen zu einem System.
  • Deterministische Latenz – erlaubt zuverlässige Entscheidungen auch unter hoher Last.
  • Dezentrale KI-Architektur – Verarbeitung verteilt auf Edge und Cloud für Echtzeitreaktionen.
  • Massive Uplink-Kapazität – für kontinuierliche Sensorik und Wahrnehmung.
  • Energiebewusste Netzwerke – mit automatischer Anpassung an Last und Energiebedarf.

Infrastrukturanbieter wie Huawei spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie entwickeln Technologien über alle «Layers» hinweg – von optischen Backbone-Netzen über 5.5G und 6G bis zu Edge- und Cloud-Plattformen.

Branchen im Wandel

Der Übergang vom Prototypen-Stadium in die Produktion hat bereits begonnen: Erste Unternehmen integrieren bereits aufgabenspezifische Agenten in ihre Geschäftsprozesse. Das Ergebnis ist nicht nur höhere Produktivität – es ist ein neues Betriebsmodell, definiert durch kontinuierliches intelligentes Handeln. So wie das mobile Internet die Bedingungen für die App-Wirtschaft schuf, wird das agentische ­Internet die KI-Wirtschaft der 2030er Jahre definieren. Unternehmen sollten bereits heute die Voraussetzungen schaffen für eine nahtlose Zusammenarbeit von Menschen und autonomen Systemen. Die nächste Ära ­digitaler Innovation sieht KI nicht mehr als Werkzeug, sondern als intelligentes System ­neben uns Menschen.

Lesen Sie hier den Bericht «Intelligent World 2035»
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