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Lesedauer 7 Min.

AirPods Pro: die zertifizierte Hörhilfe

Die AirPods Pro 2 sind nun offiziell eine günstige Alternative zum klassischen Hörgerät – und bringen damit eine verwöhnte Industrie in Bedrängnis. Ein Praxistest.
So kann 2024 ein Hörgerät aussehen
© (Quelle: Apple Inc.)

Obszön: Dieses Prädikat fällt mir zuerst ein, wenn die Preise für Hörgeräte zum Thema werden. Für die besseren Modelle werden problemlos 5000, 6000 oder auch 7000 Franken fällig. Im Vergleich: Bei der Zusammenstellung eines Gaming-PCs müsste man sich schon ziemlich «affig» aufführen, um überhaupt in die Nähe solcher Preise zu kommen. Denn in diesem Markt, der reich an Mitbewerbern ist, hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. Doch vielleicht bekommt das Geschäftsmodell dank Apple ein paar Risse.

Denn mit einem kostenlosen Firmware-Update werden die AirPods Pro der 2. Generation zu einer zertifizierten Hörhilfe. Die Kosten dafür muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Listenpreis beträgt 229 Franken – und damit den Bruchteil eines «günstigen» Hörgeräts. Zu diesem Päckchen gehören auch die beliebtesten Kopfhörer überhaupt, die längst unser Strassenbild prägen.

Das automatische Dämpfen einer lauten Umgebung gehört zur Prävention © Quelle: Apple Inc.

Nicht eine Funktion, sondern drei

Die neuen Aspekte zur Hörgesundheit widerspiegeln nicht eine, sondern gleich drei neue Funktionen. Denn zuerst einmal muss geklärt werden, wie es um die eigene Hörfähigkeit bestellt ist. Diese Aufgabe übernimmt der integrierte Test, der durch eine Reihe von Tönen analysiert, welche Frequenzen noch wahrgenommen werden.

Auch die Vorsorge kommt nicht zu kurz, indem laute Umgebungen automatisch gedämpft werden, etwa in Fabrikhallen oder auf Baustellen. Der Schalter ist in den Einstellungen nicht im neuen Bereich Hörgesundheit zu finden, sondern weiter unten bei Laute Geräusche reduzieren. Damit wird die Geräuschkulisse nicht einfach nur abgeschwächt, sondern durch den H2-Chip in den AirPods Pro bis zu 48000 Mal pro Sekunde analysiert und dynamisch angepasst. So soll die Musik an Konzerten weiterhin natürlich und dynamisch klingen, was wir allerdings nicht getestet haben.

Das Firmware-Update lässt sich leider nicht manuell anstossen © Quelle: PCtipp

Und spätestens an diesem Punkt gehört auch die Jugend zur Zielgruppe, die sich normalerweise nicht um die Lärmbelastung kümmert.

Die Anforderungen

Doch bevor wir uns dem Thema selbst widmen, sollten die technischen Anforderungen geklärt werden.

Hardware und System. Die Verwendung als Hörhilfe bedingt ein iPhone. Das liegt auf der Hand, da ein enges Zusammenspiel zwischen Hard- und Software stattfindet. Das iPhone benötigt wiederum die neuste Version von iOS 18.

AirPods-Pro-Modell. Aktuell funktioniert die Hörhilfe nur mit den AirPods Pro der 2. Generation. Das ist schade, denn die vor Kurzem vorgestellten AirPods 4 sind ebenfalls mit dem H2-Chip ausgestattet und spielen damit technisch auf Augenhöhe. Gerade bei längerem Tragen könnte die offene Bauform zu einer Komfort-Funktion werden.

Firmware. Die AirPods Pro 2 benötigen mindestens die Firmware 7A305 oder neuer. Welches die aktuellste Firmware überhaupt ist, erfahren Sie auf dieser Apple Support-Seite. Um die Firmware der AirPods Pro zu prüfen, tragen Sie die AirPods und rufen Sie deren Einstellungen am iPhone auf. Wischen Sie ganz nach unten bis zum Bereich Info:

So kann 2024 ein Hörgerät aussehen © Quelle: PCtipp

Leider bietet Apple bis heute keine Möglichkeit, dieses Upgrade manuell anzustossen. Stattdessen muss auf dem iPhone das neuste iOS 18 installiert sein. Über Nacht werden dann das iPhone und die AirPods Pro mit einer Stromquelle versorgt – und mit ein wenig Glück gibt es am nächsten Morgen eine Bescherung.

Am Anfang steht der Hörtest

Kaum jemand lässt ohne Anlass einen Hörtest anfertigen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass wir uns erst um das Gehör kümmern, wenn etwas im Argen liegt. Und so weiss das Gros der Menschen nicht, wie es um die eigene Hörfähigkeit bestellt ist. Doch das klärt sich jetzt, ohne dass ein Termin bei einem Spezialisten vereinbart werden muss.

Um an den Hörtest heranzukommen, müssen die AirPods Pro getragen werden – denn erst dann tauchen sie in den Einstellungen des iPhones auf. Tippen Sie im neuen Bereich Hörgesundheit auf Hörtest machen.

Das automatische Dämpfen einer lauten Umgebung gehört zur Prävention © Quelle: PCtipp

Der Test ist ein Selbstläufer: Der Assistent führt schrittweise durch den Prozess: zuerst beim linken, dann beim rechten Ohr. Dabei muss lediglich auf das Display getippt werden, wenn ein Ton wahrgenommen wird. Jede Frequenz wird dreimal abgespielt und es bleibt genügend Zeit, um die Sache ganz entspannt anzugehen. Das Ergebnis wird anschliessend verschlüsselt in der Health-App gespeichert.

Das Firmware-Update lässt sich leider nicht manuell anstossen © Quelle: PCtipp

Die Anpassungen

Doch der kniffelige Teil kommt noch. Denn jetzt muss ausgelotet werden, welche Einstellungen am besten zu den eigenen Bedürfnissen passen. Auch dazu müssen die AirPods Pro getragen werden, damit die Einstellungen im Kontrollzentrum eingeblendet werden. Dann führt ein Tippen auf die Schaltfläche Hörhilfen zu allen Parametern, die in diesem Zusammenhang wichtig sind. Einige erscheinen ausserdem nur, wenn Musik abgespielt wird.

So kann 2024 ein Hörgerät aussehen © Quelle: PCtipp

Deshalb sind die Gewöhnungszeit und die Lernkurve nicht zu unterschätzen. Tatsächlich bieten die AirPods Pro so viele Einstellungen, dass man sich aktiv damit auseinandersetzen sollte, um das Beste herauszuholen. Neben der Verstärkung des Umfeldes lassen sich auch Gespräche herausschälen, die Klangfarbe ändern, die Balance zwischen links und rechts ändern und vieles, vieles mehr. Zu Beginn brauchte es bei mir mehrere Anläufe und Tests, um allein die richtige Mischung der Regler Verstärkung und Umgebungsgeräuschreduktion zu finden.

Praktische Erfahrungen

Die Welt klingt nun ganz anders. Damit ist nicht gemeint, dass ich nun Töne wahrnehme, die vorher verschollen waren. Schliesslich ist ein Hörverlust irreversibel. Vielmehr verhält es sich so, dass die Geräuschkulisse nicht nur verständlicher, sondern je nach Einstellung sogar überkompensiert wird.

Dazu gehören normale Geräusche wie zum Beispiel das Tippen auf der Tastatur, die plötzlich überlaut vor sich hin klackert. Selbst ein Kratzen an der Schulter führt mit übertriebenen Einstellungen zu einem kleinen Spektakel. Und der Hund im Wohnzimmer spielt nicht die Kastagnetten; ihm müssten nur die Krallen gestutzt werden.

Gespräche

Wenn das Gehör nachlässt, steht vor allem der Wunsch nach einem besseren Verständnis von Gesprächen im Mittelpunkt. Und hier liefern die AirPods Pro! Die Funktion Konversationsverstärkung macht ihrem Namen alle Ehre und sorgt für ein deutlich besseres Verständnis des Gegenübers. Im Transparentmodus kann das Ergebnis zusätzlich etwas verbessert werden, wenn die Einstellung Ton leicht zurückgenommen wird.

Einige werden sich vielleicht auch daran gewöhnen müssen, dass die eigene Stimme je nach Einstellung deutlich verstärkt wahrgenommen wird – was in der ersten Zeit überkompensiert wurde, indem ich meine Lautstärke senkte. Und so musste mich meine Frau zuweilen ermahnen, etwas lauter zu sprechen. Aber vielleicht braucht sie auch einfach nur ein Hörgerät.

Keine Apple Watch

Das Einzige, was die Freude trübt, ist die fehlende Integration der Apple Watch. Was wäre besser geeignet, um etwa die Konversationsverstärkung durch ein diskretes Drehen an der digitalen Krone anzupassen? Das stört umso mehr, weil diese vertiefte Integration genau das ist, was man von Apple eigentlich erwartet. Aber das wird vermutlich in naher Zukunft nachgereicht. Bis dahin bleibt nur, das iPhone hervorzukramen und die Einstellungen im Kontrollzentrum zu justieren. Diese Ausflüge werden jedoch seltener, wenn man seinen Stil erst einmal gefunden hat.

Fazit

Die AirPods Pro lassen sich so nehmen, wie sie von Apple nach dem Test voreingestellt wurden – aber das heisst nicht, dass sie optimal zu den persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben passen. Ohne ein gewisses Engagement und etwas Experimentierfreude seitens des Trägers wird viel Potenzial verschenkt – und damit unterscheiden sie sich fundamental von einem klassischen Hörgerät, das von einem Spezialisten angepasst wird und anschliessend so hingenommen werden muss.

Doch davon abgesehen wirken die neuen Funktionen wie ein Durchbruch bei diesem ungeliebten Thema. Jeder kann sich jetzt im stillen Kämmerlein um sein Gehör kümmern: frei von Hemmungen, Besuchen beim Spezialisten und der allgemeinen Unlust, sich damit zu beschäftigen. Und wenn das Gehör tatsächlich etwas nachgelassen hat, liegt die Lösung wortwörtlich auf der Hand. Oder es stellt sich die Erkenntnis ein, dass es noch zu früh für ein Hörgerät ist.

Das einzige kleine Problem liegt in der Gesellschaft, weil die AirPods Pro zurzeit noch als Geräte zur Abschottung und für die Musikwiedergabe verstanden werden. Wer sie zum ersten Mal bei einem Gespräch trägt, sollte vielleicht in einem Satz erklären, dass das Tragen keine Respektlosigkeit darstellt, sondern das genaue Gegenteil davon: eine Möglichkeit, um die Kommunikation deutlich zu verbessern.

Verfügbarkeit: Die neue Firmware zu den AirPods Pro wurde bereits freigegeben. Die neuen Funktionen zur Hörgesundheit werden in der Woche ab dem 28. Oktober 2024 veröffentlicht. Das Update der Firmware und die neuen Funktionen sind kostenlos.

Apple
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